Philippe Saxer

1965 bis 2013, Schweiz

Philippe Saxer ist in Bümpliz, einem Stadtteil im Westen Berns, aufgewachsen und hat eine Lehre als Kunstglaser absolviert. Er begann früh, eigenständig zu zeichnen und zu malen und seine Arbeiten zu sehr moderaten Preisen zu verkaufen.

Eine psychische Erkrankung zwang ihn zu wiederholten Aufenthalten in psychiatrischen Kliniken. So kam er in die Klinik der Universitären Psychiatrischen Dienste Bern (UPD) in der Waldau und fühlte sich auf dem Klinikgelände mehr zu Hause als in Wohnheimen oder seinen eigenen Wohnungen. Ab 2006 besuchte Philippe Saxer die 'Kunstwerkstatt', ein Atelier in der Waldau, das der Vorarlberger Malermeister Otto Frick 2003 auf dem Klinikareal als Verein gegründet hatte. Er gilt als bedeutender Förderer der Kunst in der Waldau nach dem Vorbild des Psychiaters Walter Morgenthaler, der Adolf Wölfli entdeckt hatte. Saxer und Frick hatten einander aber bereits um 1986 kennengelernt. Und Otto Frick hatte ihm schon bald einen Platz in der Betriebsmalerei in der Waldau zur Verfügung gestellt, um sich künstlerisch betätigen zu können.

Philippe Saxer arbeitete schnell, äusserst regelmässig und expressiv. Er wollte seine Kunst rasch und umfassend in die Welt bringen. Von Otto Frick bekam er beispielsweise grosse Bogen von Papier an die Wand gehängt und betrachtete dann - nach dessen Beobachtung- wie in Trance oder Extase die leere Fläche, bevor er zu Pinsel und Farben griff. Künstlerische Kreativität manifestiert sich - nach Otto Scharmer - ja genau in jenem innereren Ort von Emergenz, wenn ein Künstler vor der leeren Leinwand steht.

Philippe Saxers tausende Werke umfassendes Oeuvre enthält neben Glasarbeiten, Ölbilder, Aquarelle, Zeichnungen und Figuren. Viele (Gruppen-)Ausstellungen von Europa bis Kyoto, Japan präsentierten Arbeiten von ihm bereits zu seinen Lebzeiten. In dem Dokumentarfilm von Alfredo Knuchel 'Halleluja! Der Herr ist verrückt' aus dem Jahr 2004 wurde Philippe Saxer gemeinsam mit anderen Künstlern aus der Psychiatrischen Klinik Waldau porträtiert. Kurz vor Weihnachten, am 22. Dezember 2013 beendete Philippe Saxer im Alter von 48 Jahren in seiner Wohnung in Ostermundigen im Kanton Bern mit einer Überdosis an Tabletten sein Leben.

Ein grosser Teil seiner Arbeiten wurde 2017 und 2018 durch den Verein 'Freunde des Philippe Saxer', dem auch sein Vater angehört, dokumentiert, katalogisiert und in Form von Schenkungen an europäische Museen und Privatsammler verteilt. Ziel ist es, sein Werk einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Seine Arbeiten finden sich beispielsweise im Museum im Lagerhaus, St. Gallen, in den Sammlungen von Korine und Max E. Ammann sowie von Karin und Gerhard Dammann, beide Schweiz.

 

Ausgewählte Werke