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Frédéric Bruly Bouabré

1923 bis 2014, Elfenbeinküste

Frédéric Bruly Bouabré wurde 1923 in Zéprégühé geboren, das damals zu Französisch-Westafrika gehörte. Seine Familie zählte zum Stamm der Bété. Später wurde es wichtig für ihn, diese Kultur zu verschriftlichen und nicht nur der mündlichen Überlieferung zu überlassen. Dazu erschuf er ein grafisches Alphabet seiner Muttersprache mit über 400 Buchstaben, das Alphabet Bété.

Frédéric Bruly Bouabré besuchte eine katholische Schule. Danach arbeitete er bei der Marine, der Eisenbahn und als Kontorist. Zunächst war er Beamter der französischen Kolonialmacht, später der Republik Elfenbeinküste. Die Elfenbeinküste will seit ihrer Unabhängigkeit 1960 eine aktive Rolle in der Entwicklung und Modernisierung von Afrika spielen.

Als Künstler war Frédéric Bruly Bouabré ein Autodidakt. Der Autor von Gedichten, Schriftsteller und graphische Künstler lebte in Abidjan, dem am Atlantik gelegenen wichtigsten urbanen Zentrum des Landes. Seine Themen behandelten Sprache und Identität. Am 11. März 1948 hatte Frédéric Bruly Bouabré eine religiöse Vision. In diesem Zusammenhang erhielt er den zusätzlichen Namen „Cheik Nadro“. Dieser Name bedeutet „Der, der nicht vergisst“. Seit diesem Erlebnis arbeitete er an Werkzyklen. Er wollte die Welt in einem verbundenen Werk abbilden. Dafür hielt er Beobachtungen fest, deutete diese und entwarf seine eigene Wahrnehmung der Welt. Er war davon überzeugt, dass Gott durch alle Objekte, Phänomene und Lebewesen hinweg kontinuierlich die Gestalt des Universums beschreibt. Dies dokumentierte Frédéric Bruly Bouabré  im Wege seiner enzyklopädischen und analytischen Herangehensweise in unzähligen Zeichnungen.

Frédéric Bruly Bouabré verwendete für seine Zeichnungen Kugelschreiber und Farbstifte sowie Papier und Kartons in Postkartengröße und kleinen Formaten. Jede Zeichnung ist mit einem Rahmen und einer Beschreibung auf französisch versehen. Für den Künstler waren die Bildunterschriften, die sein Denken widerspiegelten, genauso wichtig wie das jeweilige Bild. Auf der Rückseite datierte er jede Zeichnung mit dem Tag der Entstehung. Die Verbindung von Bild und Text ist für seine Zeichnungen zentral.

2013, auf der 55. Biennale in Venedig, die als die Biennale der Outsider in die Geschichte einging, zeigte Massimiliano Gioni im Arsenale seines "Il Palazzo Enciclopedico" eine Serie von über 100 Arbeiten zum Thema Frieden. Darüber hinaus wurden 164 Zeichnungen von Frédéric Bruly Bouabré aus verschiedenen Serien im Länderpavillon der Elfenbeinküste im Arsenale ausgestellt. 2017 wurden Arbeiten von Frédéric Bruly Bouabré  in der Pariser Fondation Louis Vuitton in der Ausstellung "Les Initiés" aus der Sammlung von Jean Pigozzi präsentiert. 2022 zeigte das Museum of Modern Art in New York die Ausstellung "Frédéric Bruly Bouabré: World Unbound".

Seine Arbeiten finden sich beispielsweise in der Sammlung Treger und Saint Silvestre, Portugal und der Privatsammlung Dieter F. Lange, Deutschland.

 

Ausgewählte Arbeiten

 

 

© Hannah Rieger
Alle Rechte vorbehalten

Alle Fotos (Räume und Kunstwerke): Maurizio Maier
Konzept & Layout: VISUAL°S