Madge Gill

1882 bis 1961, Vereinigtes Königreich

Madge Gill wurde als uneheliches Kind in London geboren und wuchs in der Familie ihrer Mutter auf. Verwandte schoben sie in ein Waisenhaus ab, als sie 9 Jahre alt war.

1903 kam sie wieder nach London, lebte bei ihrer Tante Kate Gill, die sie in den Spiritismus einführte und arbeitete als Krankenschwester. Madge heiratete 1907 den Sohn ihrer Tante, ihren Cousin Tom. Die beiden lebten im East End von London in einfachen Verhältnissen und hatten drei Söhne. Einer davon starb bereits 1918 an den Folgen einer Grippe. 1919 wurde die Tochter der Gills tot geboren. Kurz danach wurde das rechte Auge Madge Gills durch ein Glasauge ersetzt. 1919 begann sie zu zeichnen und zwar im Kontext eines Berufungserlebnisses, die mit einer Inspiration, konkret mit einem Geist, den sie als ‚Myrninerest‘ bezeichnete, verbunden war. Beinahe 40 Jahre brachte sie als Medium unter dem Einfluss dieses Geistes kreative Kunstwerke in die Welt. Sie zeichnete mit Tusche auf großen Papierrollen und auf kleinen postkartenähnlichen Kartons. Im Zentrum ihrer Arbeiten sind Frauen mit zarten Gesichtern, umrahmt von kunstvollen Frisuren und Hüten im Stil der Jahrhundertwende. Sie finden sich inmitten von Linien, Schraffuren und geometrischen Mustern, die an besondere Architekturen erinnern. Vermutlich handelt es sich bei ihren Frauenbildnissen um Selbstporträts. Madge Gill weigerte sich - trotz großer Nachfrage - ihre Werke zu verkaufen. Als Medium betrachtete sie sich nicht als Eigentümerin ihrer Zeichnungen. Sie nähte auch Kleider und schrieb Texte. Sie starb wenige Tage nach ihrem 79. Geburtstag nach einer schweren Krankheit. Madge Gill zählt zu den Klassikern der Art Brut. Ihre Arbeiten sind in zahlreichen Sammlungen vertreten, wie beispielsweise in der Collection de l ‚Art Brut in Lausanne, im LaM, Villeneuve d‘ Ascq, Frankreich, im Museum Charlotte Zander, Schloss Bönnigheim, Deutschland, und in der Collection Eternod & Mermod, Schweiz.

 

Ausgewählte Werke